Auf diesen Seiten können sie Ausschnitte aus dem 2007 erschienen Buch

"Wagram an der Donau - Leben im Dorf" nachlesen

 

 
WAGRAM AN DER DONAU



Diese Fliegeraufnahme von Wagram an der Donau stammt aus dem Jahr 1941

 

 

Wagram ist die westliche Katastralgemeinde von Eckartsau, liegt nahe bei Orth an der Donau, das auch Pfarre (seit 1. Jänner 1969), Post und Gendarmerie für dieses Dorf mit seinen 65 Häusern und  177 Einwohnern (150 Hauptwohnsitz und 27 Nebenwohnsitz, Stand: 2007) auf einen Areal von 5,70 qkm ist.

 

Im Jahre 1351 als Wograin genannt, der Name stammt aus dem Althochdeutschen wac-rain (Wogenrain) und bedeutet „Stromufer“, „Flussterrasse“, „Wogengrenze“, „Prallufer“. Einst, als die Donau zwischen Leopoldsberg und Bisamberg in die weite Ebene des Marchfelds ihren Lauf nahm, verlegte sie im Laufe der Jahrhunderte ihren Lauf immer mehr nach Süden. So entstanden Bodenanschwellungen zwischen heute noch erkennbaren west-östlichen Rinnen. Zurück blieben Bodenschwellen, die ehemaligen Ufer.

 

Die Bodenschwellen wurden als „Wagenrain“ (ist gleich Wagram) bezeichnet. Nun ist aber die Donau nicht in unmittelbarer Nähe unseres Dorfes. Doch Wagram lag an einem wichtigen mächtigen Arm der Donau, der heutigen Faden. Sie war seinerzeit der wichtigste befahrbare Donauarm. Wie kam nun dieser Arm zu dem Namen „die Faden“?

 

Nach Angabe des Schifffahrtsmuseum in der Wachau bezeichnet man die Seile, mit denen die Schiffe stromaufwärts gezogen wurden als „die Faden“. Diese Bezeichnung ging dann auf unserem Donauarm über. Und die Faden war von Wagram nicht weit weg. Soviel zum Namen und zur Lage des Ortes.

 

Spätere Bezeichnungen sind Wogram (1396) Wagram (1455), Wagram bei Orth und Kroatisch-Wagram. Die Ortsgemeinde gehörte ehemals zur Herrschaft Orth (Landgericht), doch besaß auch die Herrschaft Eßling einige Untertanen und Grundholden und war auch Ortsobrigkeit. Im Jahre 1605 waren von den 26 Häusern 25 kroatisch. 1851 wurden in Wagram 207 Kroaten gezählt. Im 20. Jahrhundert ging auch hier wie in vielen anderen Orten des unteren Marchfelds die kroatische Bevölkerungsgruppe fast vollständig in der deutsch sprechenden Mehrheitsbevölkerung auf, so wurde 1892  auf Grund eines Landesgesetzes Kroatisch-Wagram einfach durch Wagram an der Donau ersetzt.


                                       

 Wagram um 1900

 

 

 

 

Wagram ist ein Straßenangerdorf, aus einer Uferzeile entwickelt, mit Gewannen und Neurissen.

 

Zur Pfarre und Schule gehörte der Ort nach Eckartsau. In der hier selbst vorhandenen Pfarrkirche „Zur heiligen Dreifaltigkeit“, die im Ortsfriedhof gelegen ist, werden seit 1969 vom Pfarrer von Orth Messfeiern gehalten. Seit 1913 besitzt Wagram ein eigenes Schulgebäude, doch wurde die Volksschule im Jahr 1959 aufgelassen und das Gebäude später verkauft. Die Kinder des Ortes sind seit diesem Zeitpunkt in Orth eingeschult.

 

Im Jahr 1839 lebten in 43 Häusern 53 Familien mit 130 männlichen, 109 weiblichen Personen und 26 schulpflichtigen Kindern. Den Viehbestand bildeten 79 Pferde, 4 Ochsen, 78 Kühe, 145 Schafe und 60 Schweine. Die hiesigen Einwohner bestanden aus Bauern, als Ganzlehner bestiftet, aus Hofstättern und Kleinhäusler.

 

Ein Schmied, ein Weber und ein Schuhmacher befanden sich unter ihnen. Ihr Hauptnahrungszweig war der Feldbau, wobei sie auch einen Viktualien- und Geflügelhandel nach Wien betrieben. Weizen, Gerste, Korn, wenig Hafer und etwas Hirse, Mais und Hanf wurden auf den Feldgründen mittlerer Gattung und wegen ihrer niederen Lage den Überschwemmungen des nahen Donauarmes, die Faden genannt, sehr ausgesetzt, angebaut.

 

Der Ort bestand aus zwei Reihen ebenerdiger Häuser, die nach kroatischer Bauart mit einem hervorspringenden Eingang versehen und mit Stroh gedeckt waren.


 

Die Landwirtschaft

 

 

 

Der Berufsstand „BAUER“ war in Wagram lange Zeit stark vertreten. Gab es um das Jahr 1970 noch ca. 20 landwirtschaftliche Betriebe in unserem Dorf, so sind es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur mehr 5, in denen die Landwirtschaft hauptberuflich betrieben wird.

 

 

 

Da die Arbeit am Feld und im Stall natürlich viel mehr körperlichen Einsatz verlangte und mühevoller war als heutzutage, wo viele Maschinen manche Arbeiten sehr erleichtern, hatten viele Bauern Helfer.So war z.B. der Knecht für die Rösser zuständig, der Schweizer für den Kuhstall und die Hilfe der Dirn wurdeim Haushalt benötigt. Wobei die Schlafstelle der Schweizer und Knechte meist im Stall war.


 Bei Erntearbeiten 1938

 

Dreschgarnitur bei Erntearbeiten

 

Die Milchwirtschaft hatte in Wagram einen hohen Stellenwert. Die Kühe wurden 2 mal am Tag gemolken  und die Milch  in den Betrieb der Familie Trieb gebracht. Im Jahr 1926 wurde  die Milchgenossenschaft gegründet, jedoch aufgrund der zunehmend weiten Entfernung der nächsten Molkerei und des „Bauernsterbens“ ist auch diese in der Gegenwart verschwunden.




 

Die Bürgermeister von 1930 bis zur Gegenwart


  • 1930 - 1955 Egerer Anton (mit Unterbrechung zwischen 1938 und 1945)
  • 1956 - 1967 Schmol Johann
  • 1968 - 1970 Niklas Rudolf
  • 1971 . 1980 Kaltenbrunner Rudolf
  • 1980 - 1995 Makoschitz Leopold
  • 1995 - 2010 Lukacs Josef
  • seit 2010      Ing. Makoschitz Rudolf

 




Das Gemeindehaus

 

Unter der Gemeindevertretung von Bürgermeister Johann Schmol wurde 1965 der Bau eines Gemeindehauses genehmigt. Dieses bestand aus der Gemeindekanzlei und eines Feuerwehrdepots.


 

           

 

Vorher  befand sich die Gemeindekanzlei neben dem Milchhaus. In dieser „alten“ Kanzlei gab es einen kleinen, dreieckigen Raum, der als Gefängnis diente und in dem Verurteilte ihre Strafe absaßen.

 

So geht  aus der Strafverhandlungsschrift vom  9. Juni 1926  hervor, dass ein Herr Michael Jokerle, wohnhaft in  Wagram,  ledig, Rübenarbeiter ohne Vermögen, und für niemanden zu sorgen, am 4. Juni 1926 um ca. 21 Uhr von einem Kirschenbaum auf der Straße vor der Ortschaft ohne Erlaubnis Kirschen abgerissen hatte.

 

Gegen den Beschuldigten wurde eine Geldstrafe von 1,-- Schilling verhängt. Im Falle der Uneinbringlichkeit hätte er eine Arreststrafe von 24 Stunden in besagter Zelle antreten müssen.

 

In einer weiteren Strafverhandlungsschrift vom 5. April 1904  ist zu lesen, dass ein gewisser Herr Alfred Höbl  auf der Straße zwischen Wagram und Pframa mit seinem Lastauto einem Autobus mit einer Geschwindigkeit von ca. 50 km/h entgegenfuhr. Durch diese „enorme“ Geschwindigkeitsübertretung entging er nur knapp - da er die Strafe von 2,-- Schillingen bezahlen konnte - der ebenfalls 24 Stunden dauernden Arreststrafe.





HISTORISCHES WAGRAM

 

Die Geschichte vom Gangerhölzl


Das eigentliche Wagram, so wie wir es nun kennen, geht ursprünglich auf unterschiedliche Siedlungen rund um Wagram hervor.

Da gab es zum einen eine Siedlung, deren genauer Zeitraum nicht exakt festgestellt werden kann, welche sich örtlich in etwa um den Bereich der Florianikapelle befand.

Zum anderen gab es eine Siedlung am Beginn der Au, südlich des heutigen Wagram an der Donau. Auch hier ist der Zeitraum nicht genau verifizierbar. Sie ist aber mit Sicherheit weit älter als jene Siedlung in der Nähe der heutigen Florianikapelle. Diese Siedlung kann durchaus an das Ende des Diluviums eingereiht werden, denn hier beginnt die dauerhafte Besiedelung des Marchfelds entlang der Donau, welche jahrhunderte lang ein bedeutsamer Verkehrsarm war. Nach der Art der Funde, wie Tonscherben, Teile von Werkzeugen, welche aus Nephrit, Grünschiefer und Sandstein hergestellt wurden, kann man durchaus die Frühbronzezeit annehmen (ca. 2000 v. Chr.)


Der Wortteil „Gang“ kommt aus dem sächsischen und bedeutet – Wasserlauf. Somit dürfte es sich hier um eine Besiedelung von Sachsen aus der Zeit Kaiser Karl des Großen handeln.

 

An die alte untergegangene Ortschaft „Gang“  erinnern die Wagramer Fluren erstes und zweites Gangerfeld, die südlich von Wagram an der Donau liegen. Gang wurde zum ersten Mal im Jahre 1209 genannt. Es muss eine bedeutende Ortschaft gewesen sein, die Einwohner waren Bauern oder Fischer.  Für den Untergang der Besiedelung gibt es zwei Theorien. Zum einen kann eine Überschwemmung (Katastrophenhochwasser 1501) der Grund gewesen sein, zum anderen beweisen die vielen Brandspuren kriegerische Heimsuchungen, die wahrscheinlich ins 15. Jahrhundert verlegt werden können. Pankraz von Holitsch hatte ja in der Nähe ein befestigtes Lager, von dem aus er die Umgebung brandschatzte.

 

Die Ortschaft Gang dürfte auch eine eigene Gerichtsbarkeit besessen haben. Im Rohrgrund befand sich die Richterwiese, welche auf die Gerichtsbarkeit rückschließen ließ. Dort dürften auch Erhängungen statt-

gefunden haben.  Die Lage der Richterstätte einerseits und die der Ortschaft andererseits bestätigen die Vermutung. Denn die angebliche Gerichtsstätte befand sich südöstlich außerhalb der Ortschaft. Dieses deshalb, um Geruchsbelästigungen durch die Erhängten in der Ortschaft zu vermeiden, da die Hauptwindrichtung aus Nordwesten kam.

 

Die Einwohner von Gang wurden nach Wagram übersiedelt und ihre Feldfluren südlich und nördlich des Gangs der Wagramer Flur eingegliedert. Dieser Zustand besteht heute noch. Die Wagramer Bauern besitzen auf dem Eckartsauer Gemeindegebiet südlich des Gangerhölzls kleinere Felder, die sich über eine zusammenhängende Fläche von 100 Joch erstrecken. Über einige Breiten dieser Ackerfläche erstreckt sich ein viereckiges Stück Land, das Richterwiese heißt. Das erste und zweite Gangerfeld im Wagramer Gemeindegebiet waren vor der Kommassierung als Hutweide (der Name  kommt von „hüten“, d.h. auf dieser Weide wurden Schafe und Rinder gehütet) in Verwendung. Das Gangerhölzl selbst ist ein wildverwachsener Austreifen.

 


 

Die Pestsäule


1679 breitete sich in Österreich eine Pestepidemie aus.  In Wagram stand auf dem Platz des jetzigen Feuerwehrhauses eine Pestsäule.


Diese wurden sowohl als Dank für das Ende einer Pestepidemie, als auch zur Erinnerung an die Pestopfer für künftige Generationen errichtet.


An diesem Ort, an dem sich die oben genannte Pestsäule befand, sollen sich nach mündlichen Überlieferungen auch Gräber von den Opfern der Pest befinden.


 


Die Kriegsjahre – 2. Weltkrieg

 

Sehr  ernste  Zeiten  sollten dann mit  dem Ausbruch des 2. Weltkrieges am 1. September  1939 anbrechen. Schon   vorher  wurden  junge Männer zum Arbeitsdienst und zur  Deutschen Wehrmacht  eingezogen. Mädchen  hatten auch einen Arbeitsdienst zu leisten und in den letzten Kriegsjahren hatten einige auch als Wehrmachtshelferinnen gedient.  Nun wurden auch ältere Männer als Soldaten einberufen. Kriegsgefangene ersetzten teilweise die fehlenden männlichen Arbeitskräfte.


 


1938 – nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland, am Motorrad Heisler Otto

 


Wagram besetzten die Russen am Vormittag des 8. April 1945. Die Leute hatten sich auf Dachböden und im Keller versteckt. Manche hatten schon Tage vorher auf Pferdewagen ihren Heimatort verlassen.

Ein Deutscher und zwei volksdeutsche Flüchtlinge waren an Toten zu beklagen.

 

Durch den Luftkrieg in den letzten Kriegsjahren (1943 – 1945) entstanden Flur-, Gebäude- und Sachschäden. Wagram hatte einen einheimischen Mann als Toten zu beklagen.

 

Bombeneinschläge verursachten Schäden an den Häusern Nr. 13 (Frühling, jetzt Schmol) und Haus Nr. 24 (Holba, jetzt Wilke-Pajer). Aber nicht durch einen direkten Bombenangriff, sondern weil feindliche Bomber über Wagram ihre Ziele in Wien anflogen. Anfang Juli 1944 gingen 2 Bomber brennend nieder. Einer zwischen  Wagram und Straudorf, der zweite in  der Witzelsdorfer Au.

 

Schwere Belastungen kamen über alle Bewohner auch noch nach den Kampfhandlungen – Plünderungen, Requirierungen, Hilfsdienstleistungen und noch vieles andere.

Die Jahre  1945/46, nach der Befreiung durch die Alliierten, waren Aufbaujahre im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Schulgebäude war ganz ausgeplündert worden. Die Lehrmittel und alten Kataloge, wie auch Einrichtungsgegenstände der Schule, wurden teilweise durch die Truppen der SS, die lange Zeit in der Schule einquartiert waren, teilweise aber auch durch die Dorfbevölkerung selbst, verschleppt oder an Ort und Stelle vernichtet.

 

Am 8. April 1946 jährte sich zum ersten Mal der Einmarsch der Truppen der Roten Armee in Wagram. Wie auch in anderen Dörfern wurde dieser Tag unterrichtsfrei  gegeben und von der  Dorfbevölkerung alsFeiertag gehalten.

 

Die Kirchenglocken der Gemeinde Wagram waren, wie die anderer Gemeinden, dem Kriege zum Opfer gefallen.

 

Den Opfern beider Weltkriege hat die Jagdgesellschaft das Kriegerdenkmal errichtet.

 

 

 

 

 

Die Hollerrippe (Sage aus Wagram)

 


Es trug sich zu, dass in einer  Familie  in Wagram an der Donau eine Tochter beheimatet war, die der Umgebung nicht ganz geheuer war, da man vermutete, sie habe die Gabe einer Hexe. Bei der Wagramer Mühle stand ein alter Birnenbaum, der der Sage nach mehrere  hundert Jahre alt war, auf dem  böse Geister gehaust und die Hexen getanzt haben sollen.

 

So hütete einst ein Bursche unter diesem Baum die Pferde, als die Hexen auf ihm ihren Unfug trieben.

 

Um sich den Tag zu vertreiben und dem Unfug freien Lauf zu lassen, nahmen während dessen andere Hexen dem oben erwähnten Mädchen, das ja auch als Hexe unter ihnen weilte, eine Rippe heraus  und haben damit „gestuckt“ das heißt sie warfen damit Ball.

 

Durch die Unachtsamkeit einer Hexe fiel jedoch diese Rippe herunter und der Bursch hob sie auf. Durch den Umstand, dass der Bube diese Rippe überhaupt sehen  und wahrnehmen konnte, wurde sofort angenommen, dass er auch verhext sei.

 

So weit so gut – Am nächsten Tag hatte das Mädchen, mit dessen Rippe die Hexen spielten, die Schafe herausgelassen und ist auf der Gasse stehen geblieben.

Im gleichen Moment kam der Bursche vorbei, der die Rippe fand, dieser blickte auf das Mädchen und fragte dieses mit einem Lächeln im Gesicht, „Wie geht es dir mit der Hollerrippe?“

Das Mädchen schaute diesen ganz entsetzt an, wurde kreidebleich im Gesicht, stieß einen lauten Seufzer aus und fiel mausetot um. Sie wusste nicht, dass ihr die Hexen anstatt der fleischlichen Rippe eine Rippe aus einem Holunderstrauch eingesetzt haben.

 

Der Bursche aber durfte sich seither, wegen seines Bündnisses mit den Hexen, abends nicht mehr blicken lassen.

 




Die Hochwässer


Oftmalige Überflutungen hatten  leider verheerende Schäden angerichtet, wobei jenes Hochwasser im Jahr 1830 das Größte war. Bei der letzten Hochwasserkatastrophe im Jahre 1899 wurde Wagram an der Donau von den Fluten fast zur Hälfte zerstört. Natürlich begann man sofort Schutzmaßnahmen zu setzen. So errichteten die Bewohner Erdwälle um das Dorf, um ihr eigen Hab und Gut zu schützen. Weiters wurden bei den Hauseingängen  kleine Vorbauten errichtet, die bei Hochwasser mit Stroh, Erdsäcken und dergleichen ausgefüllt wurden. So wollte man das Eindringen des Wassers in das Haus verhindern.

Scheunen und Schupfen aber wurden mit Ketten an starke Bäume (Rusten, Eschen) angehängt, damit das Wasser diese Gebäude nicht wegschwemmen konnte.

So fällt es auf, wenn man am „Hintausweg“ südseitig spazieren geht, dass die Häuser auf einem kleinen Erdwall errichtet wurden und auch nicht ganz unterkellert sind.

 

Um die südseitige Ortschaft wurde ein kleiner Wassergraben errichtet, um so für eine ausreichende Entwässerung Richtung „Langem Wasser“ zu sorgen und die Ortschaft ein wenig zu verschonen.

 

Da durch die oben angeführten Maßnahmen leider nicht immer das Auslangen gefunden wurde, sollten durch einen Donauschutzdamm die großen Überschwemmungen verhindert werden. Die ersten Ansätze konnte man aus Aufzeichnungen aus der Zeit Kaiser Josef II. entnehmen. Als die Allerheiligengüsse ( 29. 10. – 2. 11. 1787) den von Ing. Hubertus erbauten Damm zerstörten und die Marchfeldbauern sich weigerten zum Dammbau Zug- und Handrobot zu leisten.

( Robot ist eine unentgeltliche Arbeitsleistung. Bis 1848 unterstanden die Bauern einer Grundherrschaft, der sie „untertänig“ waren. Grundherren konnten das Kaiserhaus, ein Adeliger oder eine kirchliche Einrichtung sein. Neben der Steuern für den Staat mussten die Bauern auch für ihre Grundherren Abgaben leisten und unentgeltlich Abgaben – Robot – erbringen)

Somit ordnete der verärgerte  Kaiser erzürnt an: „Ich bin weit entfernt, meinen Untertanen einen Zwang anzulegen, sondern will dieses unangenehme Geschäft der Donau ganz alleine überlassen und soll also diese Arbeit derweil unterbleiben“.

 

Trotzdem die Überschwemmung 1830 die Größte war, ging es mit der Donauregulierung nur langsam weiter. Erst bei der Überschwemmung im Jahr 1899, die Wagram, wie schon erwähnt, zur Hälfte zerstörte, wurde der Hochwasserschutzdamm mit größter Beschleunigung weitergebaut.

 

Die erste große Bewährungsprobe für den Marchfelder Schutzdamm sollte das Jahr 1945 (10. – 16. Juli) bringen. Die Überschwemmung dieses Jahres hätte beinahe zu einer Katastrophe im Marchfeld geführt. Nur dem großen Einsatz der Bevölkerung und den Ortsfeuerwehren war es zu danken, dass dies verhindert werden konnte. Tausende gefüllter Sandsäcke, viele Tonnen Bruchsteine und hunderte Fuhren Schotter wurden verbaut. Bezirksfeuerwehrkommandant Rudolf Egerer und viele andere Feuerwehrführer hatten sich besonders verdient gemacht. Der Schaden (Flur- und  Gebäudeschäden,  Wild,  Holz,  Jungbäume)  war enorm. In den folgenden Jahren wurde der Marchfeldschutzdamm an den kritischen Stellen ausgebessert und verstärkt.

 

Auch bei weniger schweren Hochwässern waren die Äcker zwischen der „Schwemme“ (kleines Waldstück südwestlich von Wagram) und dem „Langen Wasser“ (kleines Waldstück südöstlich von Wagram) regelmäßig im Frühjahr überschwemmt. Aus diesem Grund war es bei der  Kommassierung im Jahr 1908 sehr schwer, Eigentümer für diese Ackerflächen zu finden. Jedoch  sollen heute genau diese Felder, wegen der damaligen regelmäßigen Überschwemmungen, besonders ertragreich und fruchtbar sein!

 

Als weitere Maßnahme, dem Hochwasser etwas entgegenzuwirken, wurde zwischen Kapelle und Schwemme  ein Durchlauf errichtet. Die Schwemme war sozusagen das Entlastungsgerinne von Wagram an der Donau.

 

Zu einem gefährlichen Hochwasser der Donau kam es auch im Jahre 1965 (Ende Mai, Anfang Juni). Zwar war die Gefahr eines Dammbruches nicht so akut wie im Jahre 1954, doch entstand besonders durch das Grundwasser ein  beträchtlicher Schaden. Es  wurden  50 %  des  Ernteertrags  vernichtet.

 

Seit diesem Zeitpunkt blieb Wagram von weiterfolgenden Hochwasserkatastrophen verschont, obwohl im Sommer 2002 kurz Gefahr drohte. In weiten Teilen NÖ verloren viele Menschen ihre Häuser und Wohnungen. Zum Glück konnte durch den Einsatz unserer Feuerwehren größerer Schaden abgewendet werden, indem der Schutzdamm durch Auftragen von Sandsäcken abgesichert wurde.

 

 

 

 

 

HANDELSLEBEN IN WAGRAM

 

 

Das Transportunternehmen

 

Am 8. Jänner 1924 gründeten Karl Heihs, geb. 19.10.1898 und Fritz Stenglein in Rannersdorf bei Schwechat ein Lastfuhrwerksunternehmen mit einem Lastkraftwagen der Fa. Fross - Büssing.

Die Garagenräumlichkeiten befanden sich seit Februar 1924 im Haus 20 in Rannersdorf. 1933 kaufte Herr Karl Heihs das Haus Nr. 6 in Wagram samt angeschlossener Landwirtschaft von der Familie Prem.

 

Im Jahr 1935 heiratete Herr Karl Heihs Frau Maria Stipanitz aus Pframa, gemeinsam bewirtschafteten sie den landwirtschaftlichen Betrieb in Wagram. Die Maria-Theresien–Konzession und das Transportgewerbe legte Herr Heihs ruhend. 

 

  

Familie Heihs 1948

 

1955    wurde das Gewerbe durch den Sohn Karl Heihs wieder aufgenommen. Der Vater Karl stellte die         Maria-Theresien-Konzession zur Verfügung.

1960    Ankauf des ersten LKW

1961    Karl Heihs jun. heiratete Frau Käthe Nikowitz  und übernahm 1962 das Fuhrwerksunternehmen.

1968    Neubau einer Garage in Wagram Nr. 39

1994    die Tochter Karin und der Schwiegersohn  Dipl.Ing. Christian Unger übernahmen die Firma. Das Einzelunternehmen wurde in eine GmbH umgewandelt.

1999    Anschaffung einer mobilen Bauschuttrecyclinganlage mit Vor- und Nachsieb. In diesem Jahr wurden ca. 45 000 t Zuckerrüben in die Zuckerfabriken Leopoldsdorf und Tulln, ca. 7000 t Kartoffeln aus dem Marchfeld nach Hollabrunn und  Gmünd und ca. 40 000 t Getreide aus dem Marchfeld bis nach Graz und Salzburg transportiert.  

2002    Tod des Seniorchefs


Nachdem die Fa. Heiss mehr als 45 Jahre an der Rübenkampagne maßgeblich mitgewirkt hatte, wurde dieser Geschäftsbereich mangels kostendeckender Preise aufgelassen.

 

Die Firma Heiss kann ihnen heute ein umfangreiches Paket an Dienstleistungen anbieten. Von der Vermietung von Kleingeräten sowie Minibagger u. Bobcat, Abbrucharbeiten, Bauschuttaufbereitung, verschiedenste Transporte,  Kran-LKW mit Arbeitskorb, Herstellung von Kanalanschlüssen und Horizontalbohrungen, Pflasterarbeiten, Winterdienst und Containerverleih.

 

Für die Zukunft wird überlegt - nicht zuletzt wegen der immer rasanter steigenden Treibstoffpreise - die Baumaschinen und LKWs mit biogenen Treibstoffen zu betreiben. Die Baulichkeiten auf dem Gelände in Eckartsau würden sich für deren  Erzeugung anbieten.

 

 



 

Das Wirtshaus

 

Das heutige Wohnhaus Nr. 26 (Familie Egerer Anton) war bis zu Beginn der 70er Jahre eine Gaststätte.

 

Herr Franz Macek, ein gelernter Fleischer aus Kopfstetten, kaufte 1929 das Gasthaus „Zur Weintraube“ von Herrn Anton Egerer, dem späteren Bürgermeister.


 

 

Gemeinsam mit seiner Frau Eleonore begann er mit der Umgestaltung und verdiente fortan seinen Lebensunterhalt mit diesem Gasthaus.

 

Das Haus lag an einem guten Standort, da es Rast für jene bot, welche sich auf dem Weg Richtung Groß-Enzersdorf oder  Wien befanden. Die Pferde der Fuhrwerker wurden vom daneben liegenden Brunnen mit Wasser versorgt. Da sich auch der Hufschmied in unmittelbarer Nähe des Gasthauses befand, konnte auch gleich der Hufbeschlag der Pferde erneuert werden, währenddessen die Pferdebesitzer im Gasthaus ihren Durst löschen konnten.

 

Das Gasthaus verfügte über eine Wirtsstube und ein Extrazimmer. Im Jahr 1949 wurde an das Extrazimmer ein Tanzsaal angebaut. So hatte man nun die Möglichkeit verschiedene Veranstaltungen wie Theateraufführungen, Kirtage oder Feuerwehrbälle durchzuführen.

Für die Kühlung der Lebensmittel und Getränke gab es neben dem Wirtshaus die so genannte „Eisgrube“. Die „Eisgrube“ war eine fensterlose Holzhütte, welche in doppelwandiger Form konstruiert war und mit Stroh isoliert wurde. Im Winter wurden vom „Ganslteich“ und anderen nahe gelegenen Teichen – zumeist aus Eckartsau – Eisblöcke aus dem gefrorenem Wasser gehackt und in die Doppelwand der Hütte gestampft. Auf diese Art und Weise hatte der Wirt bis Ende Mai einen „Kühlschrank“ – kostengünstig,  praktisch und sogar voll biologisch.

In den Sommermonaten behalf man sich mit Eisblöcken von der Wiener Eisfabrik.

Die meisten „Eishacker“ ließen sich ihren Lohn nicht ausbezahlen, sondern als „Gutschrift“ im Gasthaus anschreiben.

 

Denn in dieser Zeit war es üblich, die Konsumation der Gäste in einem Buch „anschreiben“ zu lassen, welche dann meistens zum Monatsende beglichen wurde.

Dieses Buch existiert heute noch und gibt einen lebhaften Eindruck, einerseits über Namen, welche heute nicht mehr existent sind und andererseits  über die damaligen  Ess- und Trinkgewohnheiten der Gäste.

 

Herr Macek schuf sich durch den Ankauf von Ackerland und kleinen Maschinen ein zweites Standbein in Form einer Landwirtschaft.

Sein Eintritt in den Ruhestand, zu Beginn der 70er Jahre, hatte zur Folge, dass nach der Übernahme des Gasthauses durch seine Tochter, seitens der Behörden, so umfangreiche Adaptierungen notwendig gewesen wären, dass man sich entschloss, den Betrieb zu schließen.  Seitdem gibt es in Wagram kein Gasthaus mehr.

 



 

Der Gutsbetrieb („Villa“)

 

Im Jahr 1920, nach dem ersten Weltkrieg, gab es in Wagram einen Gutsbetrieb (die „Villa“). Der damalige Besitz erstreckte sich über die Häuser Reinisch, Niklas bis Liebl. Martin Trieb war der Erbauer und er betrieb eine Mühle sowie eine Sodawasser- und Kracherlerzeugung. Der Betrieb wurde für die damaligen Verhältnisse sehr modern und zeitgemäß geführt und hatte eines der ersten Elektrizitätswerke, welches auch einige Haushalte in Wagram mit Strom belieferte.

 

Weiters war Martin Trieb Besitzer des ersten Autos in Wagram.

Nach Aktienspekulationen von Herrn Trieb ging der Betrieb Bankrott.

 

Herr Klötzl, landwirtschaftlicher Verwalter, wirtschaftete einige Jahre weiter.

 

Herr Winternitz, ein Jude und Rechtsanwalt aus Prag, war der nächste Besitzer. Seine Frau Grete war die Tochter eines Generals. Das Ehepaar musste 1938 Österreich verlassen und die „Villa“  kaufte der Baumeister Prinzjakowitsch aus Pframa, der aber nie in dem Haus wohnte und es nach 2 Jahren an die Familie Tiller verkaufte.

 

In dieser Zeit, während des Krieges in den Jahren 1943 und 1944,  stellte Familie Tiller die Räume im Erdgeschoß für einen von den Nationalsozialisten eingeführten Kindergarten zur Verfügung. 1943 betreute Frau Flescher und 1944 Frau Margl aus Orth die Wagramer Kinder, die den ganzen Tag im Kindergarten verbrachten und nur zum Mittagessen nach Hause geholt wurden.

In dieser Zeit des Krieges war es für die Mütter natürlich eine große Entlastung, die Kinder gut betreut zu wissen, da  viele der Männer in den Kriegsdienst eingezogen wurden, und die Last der Haus- und Feldarbeiten zum großen Teil bei den Frauen lag.


Fünf Erben der Familie Tiller verkauften die „Villa“ 1976 an Frau Steffler.

 

1993 fand die „Villa“ in Andreas und Melitta Reinisch neue Besitzer, die wieder „Glanz und Leben“ in das Haus bringen wollten, was ihnen auch hervorragend gelungen ist.

 

 



Die Milchgenossenschaft

 

Die   Milchgenossenschaft wurde 1926 gegründet und die Bauern konnten ihre Milch im Milchhaus abliefern. Die gesammelte Milch wurde gekühlt, jede zweite Nacht abgeholt und nach Wien zur Weiterverarbeitung in die Molkerei gebracht.

 

 

In den Anfangszeiten übernahm eine Angestellte die Milch der Bauern und führte die Buchhaltung, welche Basis für die Abrechnung war.

Die von den Lieferanten angelieferte Milch wurde mittels geeichter Messeimer übernommen. Die ermittelte Menge wurde sowohl im großen Milchübernahmebuch, als auch in den mitgebrachten Lieferantenbüchlein erfasst. Bei Übernahme durch den Milchtankwagen durfte sich somit keine Differenz mit der Gesamtübernahmemenge ergeben.

 

In späterer Zeit wurde diese Person nicht mehr nachbesetzt, und die Lieferanten, nämlich die ortsansässigen Bauern, organisierten sich diese Übernahme in einem Turnusdienst selbst.

 

Im Milchhaus wurde Milch nicht nur abgeliefert. Es war auch für die restliche Bevölkerung von Wagram, die keine eigenen Kühe hatten, möglich, direkt aus dem Milchhaus frische Milch zu erwerben.

 

Natürlich kann man sich vorstellen, dass zu diesen Ablieferungszeiten viele Gespräche geführt und Meinungen ausgetauscht wurden und auch der Dorftratsch nicht zu kurz kam.

 

Nach Auflösung der Milchgenossenschaft wurde die Milch direkt beim Bauern abgeholt - womit jeder Einzelne für die technische Ausstattung verantwortlich war - und in die Molkerei geliefert.

 

 


Die Mühle

 

Angefangen hat der Betrieb mit einer Wassermühle,  welche damals für diese Region typisch war, und sich entlang der Donau ab Wien stromabwärts befand. Eine davon wurde in der Zwischenzeit erfolgreich in Orth an der Donau nachgebaut und ist zurzeit in Betrieb.

 

Die Wassermühle am Donauabschnitt in der Höhe von Wagram an der Donau wurde von Herrn Wasicek betrieben. Dieser errichtete im Jahre 1914 die heute am Ortsende von Wagram stehende Mühle samt Wohngebäude.

 

        Familie Wasicek vor dem provisorischem Wohnhaus und Teil des ersten Mühlengebäudes

 

1935 wurde die Mühle samt Wohnhaus von Rudolf Egerer gekauft. Die umliegenden Bauern kamen mit ihrem Getreide, welches dort  für deren Eigenbedarf zu Mehl und Kleie gemahlen wurde. Aufgrund der steigenden Nachfrage wurden Ende des Jahres 1949 auch Silos gebaut, in denen Getreide gelagert wurde, um so auch die umliegenden Bäckereien mit Mehl zu beliefern. An manchen Tagen war der Andrang so groß, dass die Bauern bis zur Kreuzung angestellt waren, manchmal sogar bis zur Florianikapelle außerhalb von Wagram.

 

Nach dem Krieg kamen viele Wiener, manche mit Kinderwagen, um Mehl zu holen. Da Geld zu dieser Zeit oft Mangelware war, wurde so manches Schmuckstück gegen ein paar Kilo Mehl eingetauscht.

 

Der Mühlbetrieb war natürlich auch Arbeitsplatz für Leute aus Wagram und der Umgebung, so waren z.B. Johann Marek, Johann Deimel, Herr Piacsek und Herr Solterer dort beschäftigt.

 

Im Jahre  1955 wurde der Mühlbetrieb eingestellt.

 

 

 

Die Greißlereien (Gemischtwarenhandlungen)

 

Es gab 2 Greißlereien in Wagram. Eine wurde von der Familie Koller im kleinen Ausmaß betrieben, die andere um das Jahr 1880 von Johann Windisch eröffnet.

 

Später wurde das Geschäft  von Mathias Windisch und bis zur Schließung von Rosina Windisch geführt, die bis zu ihrem 70. Lebensjahr unsere „Greißlerin“ war.

               

                                   

                                   

Es war ein kleines Geschäft, in dem man viele Dinge des täglichen Gebrauchs bekam. Vieles war oft nicht mehr vorrätig, manches konnte man bestellen und einiges gab es einfach gar nicht.

Das Brot wurde von der Bäckerei Baumhackl aus Orth, später von Pajan und zum Schluß von den Bäckereien Hruby aus Eckartsau und Pestuka aus Haringsee geliefert.

Seit 1983 ist die Greißlerei geschlossen und die Wagramer tätigen ihre Einkäufe in den umliegenden Ortschaften.

 

 

 

Die Waage

 

Die erste Waage in Wagram befand sich auf dem Platz bei der Kreuzung, wo heute das Haus von Familie Koller steht. Die Waage wurde vorwiegend zum Wiegen von Getreide und Tieren benutzt.




 

Das heutige Waaghäuschen, seit einigen Jahren ein beliebter Treffpunkt der Wagramer Jugend, wurde von den Betreibern der Zuckerfabrik errichtet. Hauptsächlich zu dem Zweck, dass während der Rübenernte die Bauern ihre Zuckerrüben dort sowohl abwägen, als auch auf einem „Prisenplatz“ abladen konnten. Später wurden die Rüben von dort abgeholt und in die Zuckerfabrik nach Leopoldsdorf gebracht.

Schweine, Kühe, Stiere etc. die verkauft oder zum Schlachter gebracht werden sollten, wurden ebenfalls dort gewogen.

 

 

 

SCHULE


Aus der Schulchronik

 

Jänner 1913: Ansuchen um eine Normal Schule, dieses wurde nicht bewilligt, da die geforderte Kinderanzahl (40) während der letzten 5 Jahre nicht nachgewiesen werden konnte. Neuerliches Ansuchen um eine Expositur, die bewilligt wurde. Am 15. Oktober 1913 war die neue Schule fertig.

 

 

 

 

Sonntag, 9. November 1913: Einweihung des neuen Schulgebäudes durch Dechant Augustin Luze aus Probstdorf. Das Schulgebäude gereicht nicht bloß der Gemeinde, sondern dem ganzen Bezirke zur Zierde. Erster Schullehrer: Josef Zihr, ein Orther.

 

Schuljahr 1914/15: Otto Scheibenpflug begann den Schulunterricht, Josef Zihr wurde Anfang August 1914 zum Heeresdienst berufen.                   

 

Am 3. Mai 1960 wurde der Schulbetrieb still gelegt, die 6 schulpflichtigen Kinder wurden in die Volks- bzw. Hauptschule nach Orth überstellt. Die Schule bzw. Wohnung blieb leer stehen.

 

Mit 1. Juli 1962 wurde von der Gemeinde das Schulgebäude an die Fa. Alfred Glück vermietet, welche eine Flugpilotenschule errichtete. Es wurden einige Schüler ausgebildet, die in ca. 2 m Bodenhöhe Unkrautbekämpfung mit Spritzmittel im Marchfeld  durchführten.


 

PFARRE - KIRCHE

 

 

Aus der Pfarrchronik

 


 

                                    

                                                Kirche um 1875                                    Kirche um 1930

 

In der Pfarrchronik von Eckartsau wird  berichtet, dass Wagram bis 1658 seelsorglich der Pfarre Kopfstetten und der Herrschaft Herberstein unterstand. Zu diesen Zeiten stand mitten im Dorf ein Glockenturm zum Gebetläuten. Im Turmraum war ein Altar, an dem jährlich einmal eine Messe gelesen wurde.

 

Es waren bestimmt keine rosigen Zeiten, denn die Eckartsauer Pfarrchronik berichtet, dass infolge der geringen Bevölkerungszahl und schlechter Ernten dem Pfarrer von Kopfstetten die Abgaben kaum gereicht wurden (pro Haus ein  Metzen gutes und ein Metzen schlechtes Korn). Er hatte daher kein ausreichendes Einkommen und die Pfarre Kopfstetten wurde aufgelassen. Wagram kam zur Pfarre Eckartsau.

 

679:  wurde die Kapelle zur Hl. Dreifaltigkeit erbaut

 

Während des Krieges mussten die Kirchenglocken abgeliefert werden. Sie wurden eingeschmolzen, um Kanonenkugeln oder Schießpulver herzustellen

 

1946:   wurde von der Familie Egerer eine Kirchenglocke gekauft

 

16.6.1946:  Am Dreifaltigkeitssonntag, der gleichzeitig der Tag des Kirchweihfestes für die Gemeinde Wagram ist, fand um 3 Uhr nachmittags die feierliche Glockenweihe statt. Vormittags um 10 wurde der festliche Tag durch ein feierliches Hochamt, gelesen von Herrn Pfarrer J. Hoffmeier, bei dem der neu     gegründete Kirchenchor zum ersten Mal die „Kurze Landmesse“ sang, eingeleitet.

Um 3 Uhr wurde dann die neue Glocke, die 240 kg wog, festlich geschmückt, von weiß gekleideten Mädchen umgeben, von der Musikkapelle abgeholt und vom Haus (Nr. 12) des Bürgermeisters Egerer in feierlichem Zug zur Kirche begleitet. Beim Hochziehen der Glocke trug Herr Ferdinand Suritsch sehr gut den letzten Teil des „Liedes von der Glocke“ von Friedrich Schiller vor.

Die Kirchenglocken der Gemeinde Wagram waren wie die anderer Gemeinden dem Kriege zum Opfer gefallen. Nun war es wieder unter Mithilfe einiger Gönner und durch die Tatkraft des Pfarrers von Eckartsau gelungen, eine neue Glocke für die Gemeinde zu beschaffen

 

seit 1969:  ist Wagram der Pfarre Orth zugehörig

Wurde Wagram bis dahin vom Eckartsauer Pfarrer, Herrn Geistlichen Rat  Leopold Schramm seelsorglich be-   treut, ist jetzt Jan van Hellenberg-Hubar, ein Holländer, unser Pfarrer.

 

Dieser wurde nach seinem Pensionsantritt 1999 von Mag.Wolfgang Unterberger abgelöst

 

Sept. 2006:   Amtsübergabe an Pfarrer MMag. Erich Neidhart und Kaplan Mag. Christoph Pfann.

 



DENKMÄLER

 

 

Die Florianikapelle

 

Eine uralte Kultstätte befindet sich bei der Florianikapelle. Ein gewisser Hofrat Dr. Baumhackl – Bibliothekar aus Wien – war dort mit Grabungsarbeiten beschäftigt und fand dabei Gräber aus der Bronzezeit, deren Ursprünge bis in die Steinzeit reichten.

 

Beim Pflügen der Äcker findet man auch heute immer wieder Tonscherben aus der Bronzezeit, woraus zu schließen ist, dass dieser Teil der älteste  von Wagram ist.

Das würde  auch den Standort für die Kapelle rechtfertigen, da derartige religiöse Bauwerke des christlichen Glaubens immer an Kultstätten und Kraftplätzen errichtet worden sind.

 

Die Kapelle wurde im gotischen Stil erbaut und ist später im Auftrag der Familie Holba restauriert worden. Nachdem mehrmals in die Kapelle eingebrochen und die Heiligenstatuen immer wieder gestohlen wurden, hat man sich im Jahr 1983 entschlossen, ein Mosaik mit dem Bildnis des Hl. Florians anfertigen zu lassen, welches somit dem Risiko des Diebstahles nicht mehr ausgesetzt ist.

 

 

 

 

Die Marienkapelle („Heisler“- Kapelle)

 

Eine weitere Kapelle wurde ungefähr im Jahre 1950 in der Au (Gangerhölzl Richtung Eckartsau) von Frau Heisler aus Dankbarkeit, dass ihre Söhne aus dem Krieg nach Hause gekehrt waren, errichtet.

 

Zu dieser Marienkapelle wurden in früheren Zeiten ebenfalls Prozessionen abgehalten.

 

 


Das Gedenkkreuz

 

Das Kreuz, welches sich außerhalb von Wagram, Richtung Straudorf befindet, ist von der Familie Martin und Magdalena Stummvoll im Jahre 1896 errichtet worden.

 

Statt Streichhölzer verwendete man früher Schwefelhölzer, die man überall auf rauen Flächen entzünden konnte. Bei Erntearbeiten soll so ein Schwefelholz in eine Getreidegarbe gekommen sein und sich entzündet haben. Dabei brannte eine Scheune der Familie Stummvoll (heute Haus Nr. 11) ab. Weil das Wohnhaus von den Flammen verschont geblieben war, ließen sie aus Dankbarkeit dieses Kreuz errichten.

 

 

Der Kommassierungsstein

 


Ein  kleiner Gedenkstein am Platz vor der „Villa“ erinnert an die Kommassierung  im   Kaiser-Jubiläums-Jahr 1908.

Unter Kommassierung versteht man die Neugestaltung und Erschließung des landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Grundbesitzes.

 


 

 

 

 

 

 

TRADITIONELLES – BRAUCHTUM

 

 

Das Kirchweihfest

 

Die Kirchweihfeste, auch Kirtage genannt, fanden am Dreifaltigkeitssonntag statt und hatten einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Es war DAS  Familienfest, zu welchem die Verwandten eingeladen und mit überaus köstlichen Speisen verwöhnt wurden.

 

Die Frauen hatten tagelange Vorbereitungen in der Küche zu treffen. Es wurden Kirtagskrapferl gebacken und es wurde gut und viel  gekocht, musste es man sich auch noch so vom Mund absparen.

 

Sonntagvormittag  fand das Hochamt in der Kirche statt. Danach wartete die Musikkapelle vor der Kirche, wo sich nach der Messe die Burschen formierten und begleitet von der Musikkapelle zum Festzelt marschierten. Dieses wurde samt der Tanzbühne ausgeliehen  und auf dem Grundstück vor dem Haus Nr. 9 ( Fr.  Novy) aufgestellt.

 

Die Kirtagsgäste wurden mit Speis und Trank vom vis a vis gelegenen Gasthaus versorgt. Dieses war auch damals schon eine Erschwernis für das Personal, ist jedoch heute in Hinblick auf den Autoverkehr undenkbar.

 

 

 

Kirtag um 1945

 

Keine wund getanzten Füße oder brummende Schädel hielten die Leute davon ab, am Montag  beim „Nachkirtag“ ordentlich weiterzufeiern. An diesem Tag war es Brauch, dass Geschäftsleute aus der Umgebung kamen, daher auch der Name „Nobelkirtag“.  Und wieder wurde bis in die Morgenstunden getanzt und gefeiert.

 

Es war einfach „das Ortsfest“, welches über mehrere Tage gefeiert wurde.

 




Das Erntedankfest

 

Da der Sinn und Zweck dieses kirchlichen Festes wohl hinlänglich bekannt ist, erübrigt sich auch ein Eingehen auf die Wurzeln dieses Festtages.

Daher haben wir es vorgezogen, einen Querschnitt aus einzelnen, interessanten Jahren, aus welchen schriftliche Überlieferungen vorlagen, aufzuzeigen, um so auch den Wandel des Festes zu dokumentieren

 

   Erntedank 1951   

                                         

Im Jahr 1951 stand der Monat September und Oktober ganz im Zeichen der Vorbereitungen für das Erntedankfest. Das Fest war ein voller ideeller Erfolg für die Veranstalter und wurde von Allen mit großem Beifall angenommen. Der Erntetanz wurde von der neu gegründeten Wagramer Tanzmusik gespielt. Aus dem Reinertrag des Erntedankfestes flossen der Wagramer Volksschule 100,-- Schilling zu.

 

 

Erntedank 1959



Am 11.10.1959 wurde das Erntedankfest in einer anderen Form gefeiert. Es wurde auf den festlichen Umzug verzichtet und die Erntekrone wurde in der Kirche aufgestellt. Die Krone thronte auf einem Aufbau von Ähren, Obst und Feldfrüchten. Diese rein kirchliche Feier wurde von der Bevölkerung mit Begeisterung angenommen.

                                                                  


Erntedank 1992


Nach langer Zeit fand am 13. September 1992 in Wagram wieder ein Erntedankfest statt. Dieses entstand aus der Idee, dass in der Großgemeinde Eckartsau jede Katastralgemeinde abwechselnd ein Erntedankfest abhalten sollte.

So wurde in wochenlangen Vorbereitungen von vielen Wagramer und Wagramerinnen sowohl eine Erntekrone als auch eine Nachbildung der Wagramer Kirche in Kleinformat aus Stroh errichtet, die auf einen Wagen gestellt wurde, der mit Obst, Gemüse und Früchten geschmückt war.  Die Pferdewagen mit den beiden Strohmodellen  wurden  unter fachkundiger Führung von Wagramer „Kutschern“ von einem Pferdegespann gezogen.

 

Erntedank 2002



Wie  bei den beiden vorangegangenen Festen wurden auch diesmal wieder, unter Mitwirkung vieler Wagramer und Wagramerinnen zwei farbenprächtige mit Obst und Früchten beladene Wagen für die Erntekrone und die Strohkirche hergerichtet.

Diesmal wurden sie nicht von Pferden, sondern von zwei gut erhaltenen „Oldtimer“-Traktoren gezogen

Die Prozession fand wieder bei der „Villa“ ihren Ursprung und endete am Fußballplatz, wo die Feldmesse  von Herrn Pfarrer Mag. Wolfgang Unterberger zelebriert wurde.

Anschließend konnte rasch der Hunger der vielen Besucher von routinierten „Grillmeister“ und flinken Kellner und Kellnerinnen gestillt werden. Auch Naschkatzen kamen durch die vielen leckeren, selbst gemachten Süßigkeiten der Wagramerinnen nicht zu kurz.

 

 

 

 

Die Florianifeier

 

Die am ersten Sonntag im Mai stattfindende Florianifeier (4. Mai – Namenstag des Hl. Florian, Schutzpatron der Feuerwehr), wird ebenfalls von der Feuerwehr veranstaltet und organisiert. Alle Feuerwehrmänner der Großgemeinde, sowie Feuerwehrkameraden und BürgerInnen aus den umliegenden Ortschaften, werden zu einer Prozession zur Florianikapelle mit anschließender Feldmesse und Frühschoppen eingeladen.

 

 

 Florianiprozession 2005

 

 

 

 

Das Pfingstturnier


Das jährlich stattfindende Pfingstturnier der Großgemeinde Eckartsau wird jedes 5. Jahr von der Wagramer Feuerwehr am Fußballplatz in Eckartsau veranstaltet.

 

Bei diesem Turnier spielen die Fußballmannschaften der Feuerwehr  von Eckartsau, Pframa, Kopfstetten, Witzelsdorf und Wagram gegeneinander.

 

Für das leibliche Wohl ist  die Feuerwehr zuständig. Mit Gegrilltem, köstlichen Mehlspeisen und Getränken werden sowohl die Spieler als auch die zahlreichen Turnierbesucher verköstigt.

 

Auch eine stattfindende Tombola ist fixer Bestandteil dieses Festes und bei den Besuchern sehr beliebt.

 

 

 

Der Feuerwehrball

 

Der Feuerwehrball, als erstes gesellschaftliches Ereignis im Jahr, fand,  solange es noch ein Wirtshaus in Wagram gab, natürlich im Ort statt.

 

 

Einladung aus dem Jahre 1908

 

 

Ab dem Jahr 1975 wurde der Feuerwehrball im Gasthaus Moik in Eckartsau abgehalten. Seit der Schließung im Jahr 1998, veranstalten  die Wagramer ihren Ball im Gasthaus Kramreiter in Eckartsau.

 

 



Das Osterratschen

 

Eine kirchliche Tradition, die bis in das 6. Jahrhundert nach Christus zurückgeht, und bis heute hochgehalten wird,  ist das bei den Kindern beliebte  Osterratschen.

 

Der Überlieferung nach „fliegen“ die Kirchenglocken in der Karwoche nach Rom, um geweiht zu werden. Aus diesem Grund wird ihr Geläute am Morgen, zu Mittag, am Nachmittag und am Abend von den Ratschenbuben – heute ist es auch den Mädchen erlaubt, mitzuratschen - ersetzt.

 

Der kirchliche Hintergrund liegt darin, dass das Läuten der Kirchenglocken während dieser Zeit zu festlich sei, und deshalb die Gottesdienste und Andachten mittels der Ratschen verkündet werden.

In früheren Zeiten hatten die Ratschenbuben während dieser Zeit in irgendeinem Stadl geschlafen und haben auch zu Mitternacht und morgens schon um 4 Uhr geratscht.


Am Karsamstag  gehen die Ratschenkinder von Haus zu Haus, und werden mit Geld oder Sachspenden, meist in Form von Süßigkeiten, für das Ratschen belohnt.

 


         


Ratschenbuben 2005                                            Ratschenkinder 1965 

 

 

 

 

   Der Maibaum

 

Das Aufstellen des Maibaumes ist ein alter Brauch. Ursprünglich galt er als Ehrenzeichen für Mädchen und Honoratioren. Anno 1466 wurde der Maibaum in Österreich erstmalig   belegt.

 

Im 17. Jahrhundert wurde er verboten. Den Durchbruch schaffte der Brauch erneut im 19. Jahrhundert und hält sich bis heute. Jeder Gemeinderat, Bürgermeister und Feuerwehrhauptmann bekam früher einen Maibaum.

In früheren Zeiten standen bis zu 12 Maibäume in Wagram.

Heute nehmen wir mit einem Vorlieb, der dann zu Ehren aller Wagramer und Wagramerinnen  vor dem Feuerwehrhaus aufgestellt wird.

 

 

 

 

FREIZEITVERGNÜGEN ANNO DAZUMAL

 

 

Allgemeines

 

Den ersten Fernseher, mit schwarz-weiß Bild, hatte die Familie Holba. Gute Bekannte der Familie kamen natürlich auch in den Genuss der neuen Errungenschaft und so wurde  manch Samstagabend in größerer Runde vor dem Fernseher verbracht.

 

1967 wurde dann auch im Wirtshaus Macek ein Fernseher aufgestellt und so konnten sich die Wagramer über Nachrichten und Neuigkeiten aus der großen, weiten Welt informieren.

 

Das 1. Radio besaß Frau Marie Windisch und das 1. Telefon wurde im Wirtshaus Macek installiert und konnte gegen Bezahlung von den Wagramer genützt werden. 

 

Das Federschleißen war ein beliebter Winterabend-Zeitvertreib. Die Frauen kamen zusammen, um die Federn von den Stielen zu trennen und für die Hochzeitsaustattung ihrer Töchter warme Pölster und Tuchenten beisteuern zu können. Bei dieser Tätigkeit kam auch der Dorfklatsch nicht zu kurz und man war am nächsten Tag bestens informiert.

 

 

 

 

Die Theatergruppe

 

1946 gründete der damalige Feuerwehrkommandant Rudolf Egerer eine Jugend-Theatergruppe. Der Reingewinn dieser Aufführungen kam der Freiwilligen Feuerwehr zugute.


Herr Egerer besorgte in Wien die Regiebücher, lieh dort Kostüme und Perücken aus und kaufte Schminkzeug.


Die Aufführungen fanden meist im Winter statt und wurden im Gasthaus Macek oder auch in den umliegenden Orten so z.B. in Straudorf oder Breitstetten abgehalten. Es kamen auch viele Zuschauer aus Orth an der Donau.

 

 

 

Die Volkstanzgruppe

 

Frau Olbrich, Lehrerin an der Wagramer Schule, war Gründerin der Volkstanzgruppe.


 

Geprobt wurde in der Schule, die Aufführungen fanden zu festlichen Anlässen wie z.B. Erntedankfesten in Wagram und  Umgebung  statt.

 

In die Gruppe wurden ausschließlich ledige Burschen und ledige Mädchen, die in Dirndl und kurzen Lederhosen bei den Aufführungen auftraten,aufgenommen.

 

 

 

Der Stemmklub

 

Um 1910 gab es einen Stemmclub in Wagram, welcher unter den Namen „ARMIN“ bekannt war. Trainiert wurde im Wirtshaus und es gab natürlich Bewerbe gegen andere Ortschaften um sich so in verschiedenen Disziplinen und Gewichtsklassen zu messen. Wegen der „Berühmt- und Bekanntheit“ des Wagramer Stemmklubs befanden sich auch zahlreiche Männer aus umliegenden Ortschaften unter den Mitgliedern.




 

DIE VEREINE

 

 

 

 

Die Freiwillige Feuerwehr

 

 

 

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wagram an der Donau, damals Kroatisch Wagram, erfolgte im Jahr 1882.

 

 

 

Wird heute mit modernen Löschfahrzeugen so mancher Brand gelöscht oder technischer Einsatz absolviert, hatte man dazu in früheren Zeiten nur Pferde zur Verfügung. Jeder, der in Wagram Pferde hatte, wurde für bestimmte Tage eingeteilt, seine Pferde im Falle eines Unglücks für den Feuerwehreinsatz zur Verfügung zu stellen.

 

Erster Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr war Fabian Glaser, der auch sofort den Kauf einer Spritze im Jahre 1883 anordnete

 

 

 

 

1946 wurde die Feuerwehr neu aufgestellt und Rudolf Egerer zum Kommandanten gewählt.


Da es damals  keine Sirene gab, welche die Feuerwehrleute zu einem Einsatz rief, marschierte Herr Alois Buresch viele Jahre durch Wagram, um die Feuerwehrmänner von einem Feuerausbruch, Unfall oder auch „nur“ über eine Versammlung zu informieren.

 

An der Melodie, die Herr Buresch spielte, erkannten die Männer um welchen Einsatz es sich handelte.

 

Unter dem Kommando von Franz Windisch nahm die Feuerwehr von Wagram an der Donau auch an den  Feuerwehrleistungsbewerben in Berndorf und 1976 in Waidhofen/Ybbs teil.

 


 

1981 folgten Alfred Suritsch als Feuerwehrkommandant, Paul Kern als Stellvertreter und Josef Buresch als Verwalter.

 

Im Jahr 1981 wurde  das 1. Feuerwehrauto gekauft.

 

2003 wurde das Feuerwehrhaus ausgebaut und erweitert.  In vielen unentgeltlichen Arbeitsstunden haben die Feuerwehrkameraden in ihrer Freizeit mit viel Einsatz einen Zubau von ca. 100 qm  errichtet, der aus einer großen Halle und einem Dachgeschoßausbau besteht.  Die bestehenden Räumlichkeiten des Feuerwehrhauses wurden renoviert und neu eingerichtet. Neben dem größeren Platzangebot für die Feuerwehr wurde aber auch durch den Dachausbau und der Errichtung einer Küche eine Kommunikationsmöglichkeit für alle Wagramer geschaffen, die auch gerne in Anspruch genommen wird.

 

 

 

 

Die Jagdgesellschaft

 

 In Wagram hat die Jagd eine jahrzehntelange Tradition und wird in Form der Jagdgesellschaft auch weiterhin gepflogen.

 

 

 

 

 Kreisjagd in Wagram um 1950


Neben der Revier- und Tierbestandspflege, war es auch immer Tradition durch die Einnahmen aus dem Wildverkauf, Anschaffungen für die Ortschaft mitzufinanzieren.

 

So wurde zum Beispiel im Jahr 1930 das Kirchendach erneuert, 1937 mit einem Zuschuss der Jagdgesellschaft die Kirchenmauer errichtet und 1951 wurden Tischlerarbeiten in der Kirche und Spenglerarbeiten am Kirchturm bezahlt. Im Jahr 1965 bestätigte der damalige Pfarrer Leopold Schramm den Betrag von 1.000,-- Schilling für eine Krippe. 1971 wurde das Kriegerdenkmal errichtet, 1975 eine Zapfwellenpumpe gekauft und 1976 wurde für die Anschaffung einer Kirchenorgel kräftig mitgespendet.

 

Im Jahr 1979 wurden 10.000,-- Schilling (Euro 726,73) für die Kirchenrenovierung gespendet und 1983 die Florianikapelle aus Mitteln der Jagdgesellschaft renoviert. 1987 konnte eine Maisanbaumaschine und 1991 ein Tiefgrubber gekauft werden. Für das elektrische Kirchengeläute wurde 1999 gespendet.

 

Diese aufgebrachten Gelder kamen, wie schon erwähnt, aus dem Verkauf von Wild. Wobei bemerkt werden muss, dass anno dazumal ein wesentlich höherer Niederwildbestand vorhanden war.

 

Dieses zeigt sich auch aus den Aufzeichnungen sehr deutlich. Daraus geht hervor, dass im Jahr 1930 507 Hasen erlegt wurden und im Jahr 1935 waren es sogar 518 Hasen.

 

Davon können Jäger von heute nur träumen. Es bleibt jedem überlassen, einen Zusammenhang zwischen der Abnahme des Niederwildes und dem ständig wachsenden Kraftfahrzeugverkehr zu sehen.

 

Durch den jährlich stattfindenden „Hasenschmaus“ werden die Grundbesitzer für so manchen Wildschaden entschädigt. Dieser fand bis zum Jahr 1968   im  Gasthaus  Macek  in  Wagram  statt.  Da immer weniger

 

Hasen geschossen wurden und die Zubereitung sehr arbeitsintensiv  war, wurde aus dem „Hasenschmaus“ ein „Rehschmaus“, welcher bis 1997 im Gasthaus Moik und danach im Gasthaus Kramreiter in Eckartsau abgehalten wurde bzw. noch immer wird.

 

Wie aus der Bezeichnung „Schmaus“ abzuleiten ist, war und ist es immer wieder eine Gaumenfreude, die köstlich zubereiteten Wildgerichte zu verspeisen.

 

Dass sich die Jägerschaft nicht nur um die Regulierung des Tierbestands kümmert, zeigt die seit 1995 jährlich stattfindende Flurreinigung. Viele Ortsbewohner, von den Kindern bis zu unseren Senioren, säubern das Gebiet rund um unser Dorf von Müll und Unrat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Turnverein

 

 

 

Von 1992 bis 2001 wurde im Sitzungssaal des Feuerwehrhauses wöchentlich, unter der Leitung von Evelyn Suritsch, eine Gymnastikstunde abgehalten. Viele sportliche Wagramerinnen, es kamen auch Frauen aus den umliegenden Ortschaften, nahmen daran teil. Dass dabei die sportliche Betätigung im Vordergrund stand, versteht sich von selbst.


Aber auch nette Gepflogenheiten, wie mit einem Gläschen Sekt auf die jeweiligen Geburtstage der Teilnehmerinnen anzustoßen, oder ein gemütliches Beisammensein bei der Weihnachtsfeier, förderten den Teamgeist der Wagramerinnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Dorferneuerungsverein

 

 

 

„Gemeinsam für ein schöneres Wagram“ – unter diesem Motto wurde im Jahr 2002 der Dorferneuerungsverein gegründet, welcher von der NÖ Landesregierung sowohl organisatorisch als auch finanziell unterstützt wird. Ziel des Vereins war und ist es, neben der, wie schon erwähnten finanziellen Unterstützung durch das Land NÖ, auch die  Eigeninitiative  und das Engagement jedes einzelnen Dorfbewohners zu fördern.


Viele Projekte, die bei „Dorfgesprächen“ gemeinsam mit den Dorfbewohnern ausgearbeitet und geplant wurden, konnten in den vier Jahren der „aktiven“ Dorferneuerung in die Tat umgesetzt werden.  

 

Auch viele gesellschaftliche Aktivitäten wurden und werden vom Dorferneuerungsverein organisiert. Ob bei Ausflügen, Rätselwandertagen oder der erfolgreichen Teilnahme am Adventmarkt im Schloss Eckartsau haben wir Wagramer unseren Spaß und fördern so die Dorfgemeinschaft.

 

 

 

 

 

Der Sparverein

 

 

 

Seit Jänner 2007 gibt es durch die Initiative von Herrn August Steiger wieder einen Sparverein in Wagram

 

Jeden Freitagabend nutzen zahlreiche WagramerInnen die Möglichkeit, kleinere oder auch größere Beträge  anzusparen.

 

Ein beliebter Treffpunkt für die Sparer ist die Küche der Wagramer Feuerwehr, wo bei einem kleinen Imbiss und einem Gläschen Wein die Kommunikation der Dorfbewohner gepflegt wird.

 

 

 

 


 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

wir hoffen, es hat ihnen Spaß gemacht, ein wenig in der Geschichte unseres Heimatortes zu schmökern.

Mehr davon können sie in unserem Buch "Wagram an der Donau - Leben im Dorf" nachlesen.